Arten- und Naturschutz beginnt schon beim Bau

Umwelt- und Naturschutz

Oberstes Gebot bei der Errichtung und während des Betriebs von Offshore-Windparks ist der Schutz von Flora und Fauna sowie die Minimierung von jeglichen Emissionen, insbesondere Schall- und Lichtemissionen in die Umwelt. Bei der Windenergienutzung auf dem Meer müssen zahlreiche Richtlinien und Gesetze zum Umwelt- und Artenschutz beachtet werden. Die Einhaltung dieser Vorgaben ist Voraussetzung für die Erteilung der Genehmigung, die Errichtung und den Betrieb von Offshore Windparks.

Naturschutz und Offshore Windparks, ein Widerspruch?

Eine Genehmigung wird nur erteilt, wenn die fachbiologischen Gutachten keine negativen Auswirkungen auf die Schutzgüter durch die Windkraftanlagen erwarten lassen. Diese elementare Voraussetzung wird durch die betriebsbegleitenden Untersuchungen durchweg bestätigt – und das ist im Verhältnis zu den Behörden und dem BfN, Bundesamt für Naturschutz, ein sehr wichtiges Ergebnis. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, ob die Menge an Arten und Individuen zunimmt, sondern dass der Betrieb eines Windparks mit all seinen Einwirkungen die Entwicklung der Individuen im Vergleich zum Referenzgebiet nicht beeinträchtigt, was mehrfach in den Gutachten bestätigt wird. Wäre dies nicht der Fall, wäre das BSH möglicherweise gezwungen, weitere Untersuchungen zu fordern und ggf. Maßnahmen zu ergreifen.

Voruntersuchungen

Die Umweltverträglichkeitsprüfung und das anschließende Umweltmonitoring spielen die zentrale Rolle bei der Beurteilung der Auswirkungen von technischen Anlagen auf See in der Dimension von Offshore Windparks, die sich über 50 und mehr Quadratkilometer erstrecken können. Der Umfang der Untersuchungen umfasst alle Lebewesen im Boden, im Wasser und in der Luft. Bereits zwei Jahre vor dem Baubeginn und mindestens fünf Jahre nach Betriebsbeginn werden in umfangreichen biologischen Zählungen per Schiff und Flugzeug die vorhandene Artenvielfalt, ihre Verbreitung und deren Populationsdichte erfasst. Dazu gehören Boden- und Wasserproben, die auf Kleinstlebewesen (Benthos) untersucht werden, genauso wie die Bestimmung der Fisch- und Vogelaufkommen und nicht zuletzt der marinen Säugetiere. Die bekanntesten Vertreter sind die geschützten Schweinswale und die Robben.
In den betreffenden Jahren werden zeitgleich Windparkflächen und unbelastete Referenzflächen untersucht und verglichen. Auf Grundlage dieser umfangreichen Datenbasis werden die Bestände der Schutzgüter Benthos, Fische, Vögel und Säugetiere über Jahre hinweg erfasst und abgeglichen. Schwankungen in den Beständen einiger Arten sind dabei nicht ungewöhnlich und auf ihr Wanderverhalten zurückzuführen. Auch einzelne, stark gefährdete Arten werden dabei natürlich erfasst. Gesicherte Aussagen zu deren langfristiger Entwicklung lassen sich aber nur über einen längeren Zeitraum tätigen.

Betriebsbegleitende Untersuchungen

Während des Betriebes eines Windparks werden über Jahre hinweg aufwändige biologische Untersuchungen durchgeführt, um nicht nur die Entwicklung der Bestände vor Baubeginn zu monitoren, sondern auch z. B. den Einfluss der Fundamentstrukturen auf die Entwicklung neuer Lebensgemeinschaften zu dokumentieren. Viele Arten verändern ihren Verbreitungsbereich im Jahresverlauf oder befinden sich nur temporär in der Nordsee. Die Ergebnisse werden deshalb inzwischen nicht nur auf Windparkebene, sondern über die gesamten Windparks in der Nordsee integriert ausgewertet und liefern wichtige Erkenntnisse zum Verständnis des Verhaltens und der Symbiose zwischen Technik und Natur.

Biodiversität in Offshore-Windparks

Allein durch das Fischereiverbot innerhalb der Windparkgrenzen können sich die Bestände von nordseetypischen Seefischen wie Hering, Makrele, Dorsch und Scholle, aber auch Garnelen Krebse und Bodenlebewesen im Schutz der Steinschüttungen und der Stahlstrukturen erholen. Viele Arten von Krebsen, Muscheln, Schnecken und allerhand Kleinlebewesen besiedeln die Tripodstrukturen in unterschiedlichen Wassertiefen und nutzen sie als künstliche Riffe. Neue Lebensgemeinschaften bilden sich. Die biologische Sukzession ist ein langsamer und stetiger Prozess, der langfristig untersucht wird. Neue Arten wandern ein oder werden durch die Schifffahrt eingetragen, wie z.B. die Pazifische Auster, und finden günstige Lebensbedingungen in der Nordsee.
Der Bestand sämtlicher ganzjährig in der Nordsee lebenden Vogelarten kann als stabil oder steigend angesehen werden. Insbesondere die jüngsten Studien zu Seetauchern, die als besonders scheue Art gelten, geben Anlass zur Entwarnung. Seetaucher zeigen während der Bautätigkeiten zwar größere Abstände zu den Baustellen, die sich im Betrieb jedoch wieder normalisieren.
Eine Besonderheit stellen die Zugvögel dar, die im Frühjahr und im Herbst in großen Schwärmen entlang der Küste und teilweise direkt über die Nordsee und über die Offshore-Windparks ziehen. Untersuchungen an Land zeigen, dass aufgrund von Gewöhnungseffekten die Arten in der Lage sind, ihre angestammten Rastplätze aufzusuchen sowie den Anlagen auszuweichen.
Für Schweinswale und Seehunde ist der Trianel Windpark Borkum insbesondere im Frühjahr während der Aufzucht der Jungwale ein beliebtes Refugium, nicht zuletzt aufgrund des hohen Nahrungsvorkommens.
Anfängliche Befürchtungen, dass Offshore-Windparks die Meeresbiologie negativ beeinflussen, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: Offshore-Windparks haben sich zu einem Rückzugsort gerade für bedrohte und dezimierte Meeresbewohner entwickelt. Damit leistet der Trianel Windpark Borkum nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern trägt aktiv zum Artenschutz bei.

Großer Blasenschleier – neue Maßstäbe bei der Schallminderung

Beim Bau von Windparks in Wassertiefen von 20 bis 40 m, wie sie in der deutschen Nordsee vorkommen, sind für die Fundamente Rammarbeiten notwendig, mit denen die Windkraftanlagen auf dem Meeresboden verankert werden. Bei diesen Arbeiten entstehen unter Wasser erhebliche Schallemissionen, durch die Meeressäugetiere – vor allem Schweinswale – Schädigungen erleiden können. Hier hat der von Trianel mitentwickelte „Große Blasenschleier“ als Schallschutzmethode erstmals seine Tauglichkeit für die Einhaltung der Schallgrenzwerte sowie die sichere und dauerhafte Handhabung unter Beweis gestellt – auch im serienmäßigen Einsatz.
Gemeinsam mit dem Unternehmen Hydrotechnik Lübeck hat Trianel die Technologie für die speziellen Anforderungen bei der Errichtung der Tripod-Fundamente, aber auch der Monopfähle weiterentwickelt. Heute gehört der große Blasenschleier zum Stand der Technik und kommt beim Bau nahezu aller auf Pfählen gegründeten Offshore-Windparks über die Grenzen von Deutschland hinaus zum Einsatz.

Funktionsweise

Beim großen Blasenschleier wird ein großer perforierter Schlauch mit einem Schiff kreisförmig um die einzelnen Fundamente gelegt. Der Schlauch wird anschließend mit Pressluft gefüllt, wodurch Luftblasen aufsteigen und eine ringförmige Blasenwand erzeugen. Während der Rammarbeiten wird die Schallquelle so vollständig eingehüllt und dadurch die Schallausbreitung reduziert. Dieses einfache Prinzip ist so erfolgreich, dass es mittlerweile bei nahezu allen aktuell im Bau befindlichen, auf Pfählen gegründeten Offshore-Projekten eingesetzt wird.