Energieversorgung von morgen – Simmerath ist dabei

Die Energiewende ist eine Generationenaufgabe

08.07.2011

Simmerath/Aachen. „Der Umbau der Energieversorgung beginnt vor Ort“, so Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. Herr Hermanns und der Rat wollen die Gemeinde im Süden der Städteregion Aachen zur Modellkommune der Energiewende machen. Zwei geplante Großinvestitionen in CO2-freie Stromversorgung sollen dies möglich machen. „Mit diesen beiden Projekten würde von Simmerath ausgehend ein beachtlicher Beitrag zur Energiewende in der Region erfolgen“, erläutert der Bürgermeister. In seiner Sitzung vom 7. Juli 2011 hat der Gemeinderat die Initiativen zur Prüfung der Realisierbarkeit dieser Großprojekte in der Gemeinde Simmerath begrüßt.

Über 85 Millionen Euro können in einen Windpark mit ca. 17 Windrädern im Wald bei Lammersdorf investiert werden. „Der neue NRW-Windenergieerlass gibt uns die Möglichkeit, hier innovative Wege zu beschreiten“, so Bürgermeister Hermanns. Mit der STAWAG Solar GmbH, einer Tochter des Projektentwicklers juwi aus Wörrstadt, der Aachener STAWAG und der enwor – energie und wasser vor Ort aus Herzogenrath, sowie dem langjährigen Partner ENERCON Windpark Strauch-Michelshof seien bereits erste Gespräche über die Realisierung des Windparks geführt worden.

Eine Investition von ca. 700 Millionen Euro prüft das Aachener Stadtwerkenetzwerk Trianel in Simmerath. Trianel will untersuchen, ob sich die Fläche des Windparks nördlich der L 246 als Oberbeckenstandort für ein Wasserspeicherkraftwerk eignet. Als Unterbecken des Kraftwerks soll dann die Rurtalsperre dienen. Wasserspeicherkraftwerke pumpen bei geringem Stromverbrauch und hoher Stromeinspeisung durch Wind oder Sonne, Wasser von einem Unterbecken in ein höher gelegenes Oberbecken. Bei hoher Stromnachfrage wird das Wasser über ein unterirdisches Stollensystem in eine Turbine geleitet und erzeugt dabei Strom.  

Die Trianel-Planungen finden in engster Abstimmung mit dem WVER (Wasserverband Eifel-Rur) statt. Nach ersten Überlegungen könnte nördlich der Landstraße ein Oberbeckensee mit über 7 Millionen Kubikmetern Wasser errichtet werden. Zum Vergleich: Die Rurtalsperre hat bei einer Vollstau-Fläche von rund 780 Hektar Stauraum für 202 Millionen Kubikmeter Wasser. Über einen rund drei Kilometer langen Stollen könnten Oberbecken und Talsperre verbunden werden.

Der Vorstand des WVER, Professor Dr. Ing. Wolfgang Firk, sieht in den bisherigen Planungen eine große Chance für die Region: „Speicherkraftwerke sind neben Wind und Sonne die dritte Säule der CO2-freien Energieversorgung.“ Der Standort eigne sich nach ersten Prüfungen ideal für ein Wasserspeicherkraftwerk.

Auch nach Auffassung der nordrhein- westfälischen Landesregierung ist für die Energiewende und die Integration der Erneuerbaren Energien eine Neuausrichtung der Stromversorgung und des Stromnetzes einschließlich des Zubaus geeigneter Speichermöglichkeiten erforderlich. Abteilungsleiter Michael Geßner vom NRW-Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr, der Minister Harry K. Voigtsberger vertrat, begrüßte die Bestrebungen der Gemeinde Simmerath und der beteiligten Unternehmen als einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Der klimafreundliche Ausgleich der fluktuierenden Stromeinspeisung der Erneuerbaren Energien erfordert den massiven Ausbau von Stromspeichern. Derzeit stellen Pumpspeicherkraftwerke die effizienteste Anlagenart für die Bereitstellung von kurzfristig verfügbarer Regelenergie dar. Dabei sind die Anforderungen von Natur- und Umweltschutz natürlich weiterhin zu beachten.

„Die Energiewende ist eine Generationenaufgabe“, erläutert für die Region der Städtregionsrat Helmut Etschenberg, „und jetzt ist der Zeitpunkt, Generationenaufgaben anzugehen.“

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